Was ist Gottes Wille

Wernigerode, 25. Januar 2015

Am Sonntag, dem 25. Januar 2015 diente Apostel Jens Korbien den Gemeinden Wernigerode, Elbingerode und Ilsenburg in Wernigerode. Er legte seinem Dienen das Wort aus Römer 12,2 zugrunde: „Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“

Zunächst ging der Apostel auf den ‚Willen des Menschen’ als Maßstab für das Handeln in der heutigen Gesellschaft ein, selbst wenn erkennbar ist, das dies mitunter zulasten der Umwelt, anderer Regionen und Völker oder künftiger Generationen geht. Dieser Maßstab steht nicht für Stetigkeit und Verlässlichkeit sondern ist den Zeitströmungen unterworfen. Veranschaulicht wurde dies durch zwei aktuelle Beispiele: den Umbruch im Energiesektor und die Diskussion zwischen freier Kommunikation und innerer Sicherheit. Mit Blick auf das vorgelesene Bibelwort rief der Apostel dazu auf, zu prüfen, was Gottes Wille ist, und diesen als Maßstab zu wählen um nach dem Guten, Wohlgefälligen und Vollkommenen zu streben. Dieser Maßstab ist unveränderbar und unbeeinflusst von aktuellen Geschehnissen.

Auf die Frage, was gut ist, verwies der Apostel auf die Gebote Gottes. Auch die Aufforderung Jesu „Gott zu lieben und den Nächsten wie sich selbst“ (Matthäus 12,30.31) ist in unserer modernen und komplexen Zeit nicht minder aktuell. Somit sind wir zum einen aufgerufen, dem anderen so zu begegnen, wie man es sich selbst wünscht, zum anderen aber auch, dem Nächsten seine guten Gaben zu gönnen und jeglicher Missgunst entgegenzutreten.

Was ist in Gottes Augen wohlgefällig? Jesus machte an einigen Stellen deutlich, was ihm und seinem Vater nicht gefällt. Er wies Petrus zurecht, als dieser einen Soldaten bei seiner Festnahme verwundete. (Lukas 22,50) Obwohl Petrus seinen Herrn beschützen wollte, machte dieser deutlich, dass es vor Gott nicht wohlgefällig ist, wenn die eigene Auffassung, so gut sie auch sein mag, mit Gewalt verteidigt wird. Als Waffe genügen da schon ein scharfes Wort, ein verletzender Blick oder auch das Nichtbeachten des Nächsten.

Im Lukasevangelium wird von den Jüngern berichtet, dass sie einem Mann verboten hatten, in Jesu Namen böse Geister auszutreiben, da er Jesus nicht als Jünger nachfolgte, wie sie. Jesus teilte diese Auffassung nicht sondern erwiderte: „Wehrt ihm nicht! Denn wer nicht gegen euch ist, der ist für euch.“ (Lukas 9,49-50) Darum wollen auch wir niemanden missachten, der im Namen seines Glaubens Gutes tut. Schließlich können alle Menschen ein Werkzeug in Gottes Hand sein. Lasst uns daran Freude haben.

Wenige Verse später wird davon berichtet, dass der Herr mit seinen Jüngern durch ein samaritisches Dorf nach Jerusalem zog und sie auf der Suche nach einer Herberge bei den Bewohnern auf Ablehnung stießen. Als daraufhin zwei seiner Jünger damit drohen wollten, „dass Feuer vom Himmel falle und sie verzehre“, wurden sie vom Herrn ermahnt. (Lukas 9,51-56) Diese Gesinnung ist nicht wohlgefällig in den Augen des Herrn.

Wohlgefällig ist, dem Nächsten zugewandt zu sein, ihm das Beste zu wünschen und ihm in Respekt und Toleranz zu begegnen, auch wenn er uns schwierig oder unsympathisch erscheint.

Mit Blick auf das „Vollkommene“ führte der Apostel aus, dass Gott vollkommen ist, wir hingegen nicht. Darum ist es unser Auftrag, stets zu prüfen, was Gottes Wille ist und uns zu korrigieren. Dies gilt sowohl für das Apostolat wie für jeden Einzelnen von uns.

Der Apostel schloss mit dem Aufruf, uns in diesem Sinn als Braut Christi zu erweisen, die den Herrn erwartet, die Gott und den Nächsten liebt, weil sie alles tun möchte, was dem Willen Gottes entspricht.

 

SJ / GJ

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