Nachfolge Christi im Alltag

Wernigerode, 25. Mai 2014

Am Sonntag, dem 25. Mai 2014, diente Apostel Jens Korbien den Gemeinden Wernigerode, Elbingerode und Ilsenburg in der Kirche in Wernigerode.

Er legte dem Gottesdienst ein Wort aus dem Karfreitagsgeschehen Jesu zugrunde: „Der Hauptmann aber, der dabei stand, ihm gegenüber, und sah, dass er so verschied, sprach: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!“ (Markus 15, 39)

Im Mittelpunkt seines Dienens stand Jesus Christus als unser aller Vorbild, der durch seinen Wandel und Wirken den Mitmenschen der damaligen Zeit bezeugte, dass er Gottes Sohn ist, wenngleich nur wenige dies erkannten. Stellvertretend verwies der Apostel auf Petrus, der für sich und die übrigen Jünger die Aussage traf, Jesus als Sohn Gottes erkannt zu haben. Auch Martha konnte bezeugen, dass sie an Jesus glaubte. Dies waren Menschen, die Jesus über eine längere Zeit und in seinem Alltag erleben konnten. Das intensive Erleben mit Jesus beeindruckte sie nachhaltig. Aber auch der im Bibelwort erwähnte römische Hauptmann, der die Hinrichtung Jesu zu überwachen hatte, war von seinem Wandel und seinem Wesen so tief beeindruckt, dass er selbst als Ungläubiger zu der Erkenntnis kam: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!“ Im Unterschied zu den ständigen Wegbegleitern Jesu, erlebte der Hauptmann den Herrn nur in den Stunden der Kreuzigung und somit in einer Situation absoluter Bedrängnis, Not und Todesqual.

Was wird den Hauptmann im Einzelnen so beeindruckt haben?

  • zunächst die Selbstbeherrschung des Gottessohnes in dieser Ausnahmesituation. Er verlor weder die Selbstkontrolle noch verhielt er sich aggressiv, obwohl er über entsprechende Mittel verfügt hätte, die Situation zu ändern. Wie verhalten wir uns als Gotteskinder im Alltag? Verlieren wir in alltäglichen Situationen nicht allzu schnell einmal die Beherrschung und reagieren unbeherrscht oder gar aggressiv? Lasst uns auch in Anbetracht mancher charakterlicher Veranlagung und Mentalität als Gotteskinder die Kraft des Geistes nutzen, dies zu überwinden. Eine Frucht des Geistes ist die Keuschheit, welche in neuerer Bibelfassung auch als „Selbstbeherrschung“ übersetzt wird. Erweisen wir uns in der wahrhaftigen Nachfolge Christi, in dem auch wir uns in unserem Alltag in dieser Selbstbeherrschung üben.
  • Während seiner Kreuzigung betete Jesus zu Gott und trat in der Fürbitte für seine Peiniger ein, darunter auch für jenen Hauptmann. Auch wir wollen dies als Beispiel nehmen und in der Fürbitte für unsere Mitmenschen eintreten. Mögen wir dabei auch die entsprechende Zuversicht in Gottes Hilfe ausstrahlen und bekunden.
  • Jesus blieb seinem Vater trotz aller Bedrängnis treu. Auch wenn er sich verlassen fühlte, wandte er sich nicht von Gott ab. Lasst uns als Nachfolger Christi auch in ausweglosen Situationen nie die Zugewandtheit unserem Herrn gegenüber verlieren.
  • Ferner wird es den Hauptmann beeindruckt haben, mit welcher Sicherheit der Herr seinen Weg ging. Selbst in der Situation des unmittelbaren Todes vor Augen, rief er einem der beiden zu, die ebenfalls am Kreuz hingen: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Luk. 23,43) Da war kein Zweifel zu erkennen. Und auch mit den Worten „Es ist vollbracht." (Joh. 19.30) unterstrich er diese Sicherheit und machte deutlich, das alles Geschehene einer Vorherbestimmung folgte und notwendig war. Lasst uns diese Sicherheit ausstrahlen, alles in Gottes Hand zu wissen. Mögen wir dabei auf die Kraft des Herrn setzen und uns bewusst machen, dass die Bewährungen und Prü- fungen, die Gott zur Ausreife und zum Heil unserer Seele bestimmt hat, mitunter einer geraume Zeit andauern können.
  • Nicht zuletzt bewies Jesus am Kreuz die Liebe zum Nächsten. Er trat für seine Mutter ein, für den ebenfalls Verurteilten an seiner Seite und selbst für die, die ihn peinigten.

So wie der Hauptmann in diesen wenigen Momenten in Jesus den Sohn Gottes erkannt hatte, wollen auch wir in unserer Umgebung, ob im Alltag oder außergewöhnlichen Situationen, ein Bekenntnis als wahre Nachfolger Christi und Kinder Gottes sein.

Vor der Feier des Heiligen Abendmahls spendete der Apostel das Sakrament der Heiligen Versiegelung für Vincent Jokel. Im Anschluss daran empfingen unsere Geschwister Waltraud und Manfred von Bornstädt den Segen zur Diamantenen Hochzeit. Zu diesem Ehejubiläum widmete er dem Jubelpaar zwei Verse aus dem 34. Psalm: „Ich will den Herrn loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude." (Vers 2 und 6)

 

SJ/GJ

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